16. Juli 2014

33km - wie ich im Freibad durch den Kanal schwamm.




Einer meiner größten Träume war es die Kanaldistanz zu schaffen. 33km - das entspricht etwa 8 gelaufenen Marathons (ca.340km). Da ich nie im Freiwasser trainieren kann, wollte ich das im Freibad schaffen. Ich schwimme schon jahrelang fast täglich 3km .... im letzten halben Jahr aber erheblich mehr - im Schnitt 22-25 km an 5 Tagen in der Woche - bis hin zu 40km in der letzten Woche vor dem 24h Schwimmen. Und so wurde mein Traum erst zum Albtraum und dann endlich wahr:
Schon um 10.30 Uhr trafen wir im Mineralfreibad Bottwartal ein - dieses Freibad ist wirklich superschön - Bilderbuchkulisse ist noch untertrieben - um 12 versammelten wir uns am Beckenrand - es gab 3 Häschenbahnen und 1 Schneckenbahn - ein Schuss und los gings - auf der 3. Häschenbahn blieb ich die gesamte Schwimmzeit - das Wasser war mehr als eiskalt - kein Wunder das die meisten mit Neo schwammen - jeder Schwimmer trug einen Transponder am Handgelenk, sieht aus wie ne Armbanduhr - den Transponder musste man dann am Ende der Bahn vor eine Art Bildschirm halten - als Bestätigung kam dann ein Ton und ein grünes Licht - eine geniale Art der Zählung. Zur Sicherheit hatte ich noch ein Maßband dabei, von dem ich nach jedem km ein Stück mit einer Kinderschere abschnitt.
Ich hab mir diesen Schwimmberg in kleine Häppchen zerteilt - erstmal 3km dann hab ich das Gefühl schon mal eingeschwommen zu sein - nächstes Ziel war der erste Zehner - bei 11km dachte ich mit Stolz daran schon ein Drittel geschafft zu haben - Gewitter - also schnell eine Pommes mit meinem Sohn geteilt - wieder ins Wasser - bis Kilometer 15 hab ich locker durchgekrault - nur das Handgelenk an dem ich den Transponder trug, schmerzte heftig - also Transponder auf die andere Seite - nun tat das Handgelenk nicht mehr weh - dafür die rechte Schulter - Ich führte ständig bekloppte motivierende Selbstgespräche - sowas wie ... du schaffst das, go Kuntze go ... - wer will der kann, und wer nicht will findet Ausreden .... natürlich ist eine Höllenschulter keine Ausrede ;) ... ich hab dran gedacht wieviel ich dafür trainiert habe....und weiter gings mit Schmerzen - hab mich in den schlimmsten Situationen auf die Technik konzentriert ...aufs Atmen oder auf die vielen lieben Menschen die mir Glück gewünscht haben, hab mir jeden am Beckenrand vorgestellt.... und zum Glück bin ich n sonniger Mensch bei dem auch das leere Glas noch halbvoll ist....
nach 23 km ... also mehr als Zweidritteln der Gesamtstrecke hab ich mich kurz an den warmen Körpern meiner Familie aufgewärmt .... mir tat alles weh, konnte mich kaum noch bewegen ... also lieber wieder rein ins Wasser - ins nun dank tiefer Nacht noch viel kältere Wasser - ich wurde überhaupt nicht warm - fing an zu halluzinieren - große Mülltonnen wurden zu alten Frauen mit Riesenbadekappen - ein Schwimmer auf andern Bahn hatte plötzlich eine grüne Riesenperücke an (eigentlich wars nur der Busch hinter ihm) ich sah tote Schwimmer, Riesenfische und vieles mehr...
meine Schulter streikte inzwischen so heftig, dass ich definitiv nicht mehr kraulen konnte..... also schwamm ich Brustarme mit Delfinbeinen (vom Brustbeinschlag hab ich mich schon seit langem getrennt...ich doofe) und Rückenkraul .... ich wurde also sehr sehr langsam ... was die Sache nicht besser machte - inzwischen motivierte ich mich mit jedem geschafften 100er ... die Sonne ging auf aber es war immer noch stark bewölkt...das Wetter war schon miserabel - viel kalter Regen und wenig Lichtblicke - hab mir dann einfach ein bisschen wärmende Sonne gewünscht .... hat geklappt ...
bei Kilometer 27 hatte ich echte Zweifel an allem - warum mach ich das eigentlich? - mir tat einfach alles weh und durch meine Langsamkeit schienen die 33km endlos weit weg - aber ans aufgeben hab ich nie gedacht - also weiter...
30 km geschafft - nur noch 3km - die längsten 3km die ich je geschwommen bin - 
hab die Schwimmbrille gewechselt - von der transparenten zur gespiegelten - damit nicht alle mitbekommen, dass ich nur noch geweint habe - das kann man schwer beschreiben - eine Mischung aus größtem Schmerz und der Aussicht auf größte Freude - 
es hatte dann was vollkommen unvorstellbares als ich es tatsächlich geschafft habe -  kann das auch nur schwer erklären ....es ist ein bisschen als ob man unter Schock steht - erst langsam wird mir klar was ich da gemacht habe....und 
JA ich bin sehr sehr glücklich und stolz auf mich.
Und ich bin sehr stolz auf meine Familie. Sogar mein Mann, der sonst nicht gerne schwimmt, hat enorme 5,6 km geschafft ... unser Sohn Oskar (13J.) ist 6,2 km geschwommen und Franka (10J.) stolze 5km. Insgesamt sind wir als Familie 49.800m geschwommen und haben dafür den Silberpokal in der Familienwertung bekommen. Es war einfach schön und sehr hilfreich sie in der Bahn neben mir zu sehen. 
Ich hab ne tolle Familie. 

Bis ich das Bad verlies, war ich die beste in der Gesamtwertung. Dann hat ein Mann noch 2km draufgelegt. So wurde ich Zweitbeste von allen und die "beste Frau". Das war nicht geplant, aber hat mich natürlich sehr gefreut.

Ganz vielen lieben Dank an alle, die mir so hilfreiche Tips gegeben haben und an alle, die an mich gedacht haben und mir Glück wünschten - das hat mir sehr geholfen. Sehr. 

Verbrauch: 3 Liter Bananensaft, 1 Dose Cola, 0,5l warmer Zitronentee, 3 Riegel, 1 ekliges Gel, eine halbe Pommes, ein Toast mit Käse, ein Paar Weintrauben, jede Menge Mineral-Wasser direkt ausm Pool

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30. Juni 2014

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10 Seiten Kerstin Kuntze °°° WASSERLUST °°° im

★ Pictures Magazin ★ Ausgabe Juli/August 2014




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